Oberndorf hat eine der ältesten Freiwilligen Feuerwehren des Landes, Sie wurde nämlich schon 1870 gegründet und 1872 offiziell als Verein genehmigt.

Bürgermeister und Mühlenbesitzer Karl Preyer, der Kaufmann Karl Hofer und der Oberlehrer Josef Weishuber waren die Gründer der Oberndorfer Feuerwehr. Sie organisierten eine Sammlung in der Pfarrgemeinde, aus deren Erlös im Jahre 1870 eine Feuerwehr-Spritze von der Firma Kernreuther in Wien angekauft werden konnte. Diese Landfahrspritze wurde von zwei Pferden gezogen, sie existiert noch immer und ist voll funktionstüchtig. Nachdem 1872 die Statuten genehmigt waren, nahm der Verein seine Tätigkeit auf. Die Anzahl der ausübenden Mitglieder betrug bei der Gründung 43 Männer. Erster Kommandant der Feuerwehr war Herr Karl Hofer. Im selben Jahr errichteten die Männer ein eigenes Feuerwehrdepot. Durch tatkräftige Unterstützungen der Gemeinden konnten bis 1886 zwei weitere Spritzen angeschafft werden, wodurch Oberndorf als modernste Feuerwehr des Bezirkes galt.

1889 ließ Hauptmann Schiechl sogar eine eigene Telefonlinie von Purgstall über Oberndorf und Diesendorf nach Ruprechtshofen errichten. Bei einem Brandausbruch konnte man nun die Feuerwehr rasch verständigen. Heute kann man sich gar nicht mehr vorstellen, welche Errungenschaft es für das kleine Oberndorf war, an das Telefonnetz angeschlossen zu sein. Man erkennt auch den Stellenwert, den damals die Feuerwehr hatte. Die Post oder auch Privatleute hätten die Telefonleitung nicht errichten können.

Landfahrspritze


Alois Reisinger war sicher einer der fähigsten Kommandanten seit Bestehen der Feuerwehr. 1919 trat er der Feuerwehr bei und wurde schon nach 2 Jahren zum Hauptmann gewählt. Aufgrund seines militärischen Auftretens und seiner markanten Kommandostimme nannte man Reisinger bald nur mehr den „General“. In der Feuerwehr setzte er Maßstäbe, durch die er weit über den Bezirk hinaus bekannt wurde.
Gemeinsam mit dem Bürgermeister von Hub, Ökonomierat Josef Zeller, besuchte Reisinger 1924 die Feuerwehrausstellung in Salzburg. Dort war eines der modernsten Geräte, eine Autospritze der Marke Fiat, ausgestellt. Dieses Auto imponierte den beiden so, dass sie es kurzerhand bestellten. Erst hinterher beschäftigten sie sich mit so „Nebensächlichkeiten“ wie Finanzierung und Erhaltung. Zwischen den Städten St. Pölten und Amstetten besaß nun Oberndorf das einzige Feuerwehrauto!

Austro Fiat Wien

Das Auto wird abgeholt: Bäckermeister Reidlinger mit Mantel, Schmiedemeister Josef Bruckner mit Pelzmantel, Hauptmann Reisinger am Steuer, Johann Ettlinger mit Decke.


Das neue Fahrzeug war natürlich jedem Pferdegespann überlegen, hatte es doch eine enorm starke Pumpe und konnte 8 Mann, 4 Sauger und 500 Meter Schläuche befördern. Wenn Reisinger mit seinen Männern bei den sonntäglichen Übungen mit dem Fiat ausfuhr, rannte der ganze Ort zusammen. Aber zuerst galt es einmal, das Geld für den bereits bestellten Fiat aufzutreiben. Die Feuerwehrmänner veranstalteten Theatervorführungen, Silvesterfeiern und starteten Spendenaufrufe, denn der Fiat kostete 26.000 Schilling. Das Jahresbudget der Gemeinde Oberndorf betrug damals etwa 6000 Schilling. Fast ein Drittel davon, 1800 Schilling, wurden 1925 für die Teilfinanzierung der Fiat-Autospritze verwendet! Außerdem mussten alle anderen Katastralgemeinden je 2000 Schilling als Beitrag zahlen. Sogar eine Versicherung schloss man für den wertvollen Fiat ab, die ebenfalls gemeinsam finanziert werden musste. Trotz dieser gewaltigen Belastungen für die Gemeinden gelang es Reisinger, eine Erweiterung und Renovierung des Depots für die Unterbringung des neuen Autos durchzusetzen.

Weil die Feuerwehr nun den modernen Fiat besaß, brauchte man die alten Feuerwehrspritzen nicht mehr. Eine Spritze und den Mannschaftswagen kaufte die neu gegründete Feuerwehr St. Georgen/Leys. Der zweite alte Spritzenwagen wurde im Hause Kaiblinger in Unterhub stationiert. Aus dieser „Filiale“ entstand schließlich die Feuerwehr Hub-Lehen.

Am 16. Mai 1926 wurden das 50 Jahr-Jubiläum und die Segnung der neuen Autospritze gefeiert.
FIAT

Tanklöschfahrzeug Steyr 680


Unter Kommandant Karl Zmeck wurde 1964 das alte Feuerwehrdepot abgerissen und ein neues Gebäude errichtet. Ein weiterer Meilenstein in der Geschichte der Feuerwehr Oberndorf war die Anschaffung eines modernen Tanklöschfahrzeuges. 1968 konnte ein Steyr 680 mit einem 2.400 Liter Wassertank angekauft werden. Es war das erste große Löschfahrzeug des Bezirkes! Ausgerüstet mit einer Hochdruckpumpe, einem Funk- und zwei Atemschutzgeräten konnte eine ganze Löschgruppe befördert werden.

1972 feierte die Feuerwehr mit einem historischen Umzug ihr 100-jähriges Bestehen.


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Aufgrund der technischen Entwicklungen waren die Garagen nach zwanzig Jahren schon wieder zu klein. Unter Kommandant Karl Zmeck jun. wurde das bestehende Gerätehaus 1985/86 neu errichtet, wodurch auch der Musikverein Platz fand. Nach zweijähriger Bauzeit konnte das Gebäude im Mai 1987 eröffnet werden.

Im Jahr 1993 hatte der alte Steyr 680 Tankwagen nach 25 Jahren ausgedient. Mit Unterstützung der Gemeinde wurde ein neuer Mercedes-Tankwagen mit einem 4000 Liter Wassertank angeschafft. Dieses Fahrzeug erhielt als Zusatzausrüstung einen Wasserwerfer und einen Beleuchtungsmast.

Feuerwehrhaus 1986